Um was geht es?

Eine Annäherung an ein archäologisches Mysterium

1. Einleitung

Auf diesem Planeten existiert auf vielen Kontinenten ein archäologisches Rätsel der besonderen Art, das erstaunlicherweise kaum jemandem bekannt ist.

Wir alle kennen die Pyramiden in Ägypten und Mittelamerika, vielleicht auch noch die Pyramiden in China. Ebenso sind sicherlich vielen Menschen andere Fundstätten einer oft überwältigenden Bautechnik bekannt.                                  

Als einige wenige Beispiele seien Baalbek, Puma Punku und Sacsayhuamán sowie Göbekli Tepe genannt.

Doch dann gibt es noch das Rätsel der Cart-Ruts, der Spuren von Fahrzeugen, die zu unseren Füßen im Gestein auf vielen Kontinenten zu finden sind.

Um korrekter zu sein : es wird im Allgemeinen angenommen, dass es sich um Fahrzeugspuren handelt.

Keine tonnenschweren Steinblöcke wurden bearbeitet und bewegt, keine unterirdischen Gewölbe angelegt, nein, ganz leise, aber nicht weniger beeindruckend, zeigen sie sich dem interessierten Besucher.

Cart-Ruts auf Sardinien

Gesicherte Erkenntnisse über ihre Entstehung gibt es nicht. Es scheint so, als würde diese Thematik etwas stiefmütterlich behandelt und wenig erforscht, wenn sie nicht gar verdrängt wird.

Oft wird ihre Entstehung den Römern in die Schuhe geschoben bzw. auf den Wagen geladen, aber da die Spuren weltweit vorkommen, kann diese These nicht stimmen.

Natürlich wurden überall auf dem Planeten Lasten bewegt und diese Tätigkeiten haben sicherlich Spuren hinterlassen, aber die Cart-Ruts weisen Eigenschaften auf, die einen gewöhnlichen Verkehr meiner Meinung nach ausschließen.

Nach dem momentanen Stand der Dinge sind sie zu finden auf der Osterinsel, in Südamerika, Mexiko, in den USA, auf den Azoren, in Portugal, Frankreich, Spanien, Mallorca und Menorca, in Libyen und Italien inklusive Sardinien und Sizilien, aber auch in Deutschland, Österreich, der Schweiz, in Kroatien und auf Zypern.

Gewaltige Vorkommen wurden in Westanatolien und in Kappadokien entdeckt, aber auch auf der Krim, in Aserbaidschan, in China und Japan finden sich diese Spuren.
Und natürlich haben wir noch die Spuren von Malta und der Nachbarinsel Gozo, die vermutlich die  bekanntesten ihrer Art sind und das Mysterium erst bekannt gemacht haben.
Jedenfalls hat mich mein erster Besuch auf Malta im Jahr 2014 so sehr fasziniert, dass ich seitdem auf der Spur der Spuren bin.

Ein großes Anliegen meinerseits ist, dass an der Thematik interessierte Reisende sich aktiv an dem Aufbau dieser Datenbank beteiligen, Informationen sammeln, die Spuren fotografisch dokumentieren und unter Wahrung der Urheberrechte die Daten mit in dieses Projekt einfließen lassen.

2. Bisherige Forschungen und Untersuchungen

Bei meinen ersten Nachforschungen bin ich auf einen Aufsatz von Uwe Topper gestoßen, der zum Thema bereits eine Menge Material zusammen getragen hatte.
Er schreibt, dass spätestens 1794 die Spuren in der spanischen Literatur auftauchten.
1877 äußerte sich José Sabater folgendermaßen : „Diese Gleise werden noch lange der Schrecken der Archäologen sein.“.
Und 1919, so schreibt Uwe Topper, ließ Zuazo y Palacios einen Aufruf an alle Wissenschaftler und Archäologen ergehen: „Wir halten diese iberischen Ruinen für die wichtigsten von Spanien!“.  (1)

1893 erschien ein Buch von Philipp Ballif mit dem Titel  „Römische Strassen in Bosnien und der Hercigovina“.
Der Verfasser bereiste diese Region und dokumentierte diese historischen Wege und Trassen.  Ihre Entstehung datierte er in die Zeit des römischen Reiches, obwohl keine geologischen   bzw. geomorphologischen Betrachtungen angestellt wurden.  (2)

Auf Malta beschäftigte sich in den 1950iger Jahren der britische Archäologe John Evans mit den Spuren und führte Experimente mit Zugtieren durch, die beladene Baumstämme schleifenderweise durch das Gelände zogen.
Laut David H.Trump, ebenfalls ein britischer Archäologe, der sich mit dem Rätsel der Cart-Ruts beschäftigte, war diese Aktion nicht erfolgreich.
Oder eben doch, denn sie zeigte, dass es alles andere als leicht ist, solche Spuren in den harten Kalkstein einzubringen.

Von David H. Trump gibt es übrigens ein wunderbares, wenn auch kleines, Büchlein mit vielen Fotos und Informationen zum Thema Cart-Ruts auf Malta. In diesem schreibt er, dass bereits Abela (1649), Houel (1787) und Boisgelin (1805) die Spuren erforschten.

Und er schreibt auch : Definitive Lösungen scheinen so weit weg wie eh und je. (3)

Schweizer Enthusiasten um Georg O. Brunner haben sich intensiv mit den Felsengeleisen und deren rätselhaften Eigenschaften beschäftigt sowie Experimente bezüglich des Abriebes durchgeführt.

Ein sehr lesenswerter Artikel. (4)

In den Jahren von 2000 bis 2005 gab es ein durch das CULTURE 2000 Programm der EU gefördertes Projekt zur Erforschung der Cart-Ruts, an dem Universitäten aus Malta, Spanien und Italien beteiligt waren.
Zum Abschluss erschien ein auf den ersten Blick ansehnliches Buch mit den Forschungsergebnissen bzw. mit einem kleinen Teil davon.

Leider sind die Grafiken und Fotos oft sehr klein geraten und nicht von guter Qualität.
Die Auswertung des großformatigen, fast 400 Seiten starken Buches, dass es nur in einer englischsprachigen Ausgabe gibt, ist momentan noch nicht abgeschlossen.
Im Rahmen dieses Projektes wurden Spuren auf Malta und in Spanien untersucht.
Außerdem sind einige weltweite Fundorte von Cart-Ruts  aufgeführt.

Mein erster Eindruck ist aber der, dass mit vielen Worten um das Thema herum geschrieben wurde und dass grundlegende geomorphologische Untersuchungen nicht erfolgten, ohne denen aber Theorien zum Thema nur Spekulation sein können.

Von Dr. Claudia Sagona wird eine Theorie ins Spiel gebracht, die diese Spuren als Bewässerungskanäle interpretiert. Mittlerweile habe ich schon eine Menge dieser Spuren gesehen, auch auf Malta, aber dieser Gedanke ist mir noch nie gekommen und ich denke, dass diese Theorie absolut fern von jeglicher Realität ist.  (5)

In Moskau beschäftigt sich Dr. Alexander Koltypin, Geologe und Direktor des Naturwissenschaftlichen Forschungszentrums an der Internationalen Unabhängigen Universität für Ökologie und Politologie, mit dieser Thematik und anderen Zeugnissen in Stein aus längst vergangenen Epochen.
Aufgrund seiner zahlreichen Forschungsreisen ist er der Meinung, dass diese Spuren und viele im Felsen hinterlassene Ruinen aus dem Erdzeitalter des Neogen (vor 23,03 – 2,59 Millionen Jahren) stammen.
Er datiert die Ruinen und die Cart-Ruts in die Zeit von vor 15 – 6 Millionen Jahren. Große Katastrophen mit ein bis zwei Kilometer hohen Flutwellen hätten während dieser Zeit die Erde heimgesucht und eine bereits existierende Zivilisation ausgelöscht, so die Hypothese von Koltypin.  (6)

Das ist natürlich eine gewagte Theorie, die in erster Linie nur von Fachleuten bestätigt oder widerlegt werden kann. Vorstellen kann ich mir dies Szenario schon, denn die Spuren besitzen Eigenschaften, die durchaus seine Theorie stützen. Doch dazu mehr in einem anderen Kapitel.

Auf den zu Portugal gehörenden Azoren im Atlantik finden sich wie bereits erwähnt ebenfalls Cart-Ruts.

Von Hans Dieter Gau, einem Kenner der Azoren und der dortigen Spuren erfuhr ich, daß ein Projekt zur Erforschung der Cart-Ruts vergeben wurde. Nach den letzten Informationen von ihm (November 2018)  gibt es die
Spuren auf allen Inseln der Azoren !

Zum Thema Cart-Ruts auf dem amerikanischen Kontinent ist noch zu erwähnen, dass laut Geschichtsschreibung das Rad vor Kolumbus nicht bekannt war. Wer ist dann für die dortigen Spuren verantwortlich?

3. Eigenschaften der Spuren

„Einige von ihnen sind immer noch völlig verwirrend, was natürlich zu ihrer Attraktivität beiträgt“, so schreibt David H. Trump.

Er bringt es ohne zu übertreiben auf den Punkt !
Ich habe mittlerweile eine ganze Menge dieser oft großen Areale mit Felsengeleisen gesehen und nirgendwo kam der Gedanke auf, okay, hier ist alles klar. Gleichmäßige Wagenspuren, ah ja, und dann in der Mitte die Spuren der Zugtiere. Fehlanzeige !
Nichts dergleichen, nur verwirrende Details und ich möchte sagen, überall andere skurrile Erscheinungen.

Auffallend ist, dass es zwei Arten von Cart-Ruts zu geben scheint :
Die einen haben eine sehr schmale Basisbreite mit einem gelegentlichen  bogenförmigen Querschnitt in der Spur und eine geringere Spurbreite als der zweite Typ, der eine deutlich größere ebene Basis und eine größere Spurbreite aufweist.

Beginnen wir mit einer ca. 30 m langen Spur bei Sigean in der Nähe von Narbonne, Südfrankreich.
Sehr sauber und elegant ziehen sich die Cart-Ruts durch den festen und massiven Kalkstein, dann am nordwestlichen Ende der gut freigelegten Spuren erwartet uns eine Überraschung.
Mit Blick in Richtung Nordwesten verschwindet die linke Spur, so als wäre das Gefährt nur auf der rechten Seite weitergefahren.
Es ist nur noch die schöne glatte Oberfläche des Kalksteines zu sehen, keine Andeutung einer Spur, lediglich erscheint die anschließende Fläche etwas abgeschliffen zu sein. Wie ist so etwas möglich ?

Zu erwähnen wäre noch, dass diese Spuren, inklusive Schleifspuren in der Mitte, bis auf den Zentimeter einer Spur auf Malta bei Ta‘ San Gakbu gleicht !

Cart-ruts

Bleiben wir auf Malta. Auf einer geneigten und leicht verkarsteten Kalksteinfläche bei San Pawl tat-Tárga finden sich einige gut erhaltene Felsengeleise. Hier gibt es Stellen, wo eine Seite der Spur bis zu 60 cm tief im Kalkstein eingeschnitten ist und die andere auf der Oberfläche verbleibt.

In der Literatur findet man den Hinweis, es könnte sich um eine Stelle zum rituellen Abwurf der Last handeln.
„In einigen besonderen Fällen zeigt sich ein besonders geformter Verlauf, der ebenfalls nur durch geplante Handarbeit erklärbar ist…  Einer der beiden Rinnenböden erscheint plötzlich an der Oberfläche.
Ein durchfahrender Karren erleidet dadurch eine Schrägstellung, die mit effizientem Transport nicht vereinbar ist. Vermutlich ist die Rinne so angelegt worden, dass ein ritueller automatischer Abwurf einer Last erfolgte.“ (4)

Ich kann mir diesen Erklärungsversuch nicht zu eigen machen, weder die vermutete Handarbeit noch den rituellen Abwurf einer Last, aber das Beispiel zeigt deutlich, dass alle interessierten Forscher, egal ob Profi oder Laie, sich an den Grenzen des Vorstellbaren bewegen.
Man sollte diese nicht seltenen skurrilen Eigenschaften der Spuren mit eigenen Augen betrachten, um zu sehen und zu spüren, dass wir es hier mit einem vollkommen unverstandenen Phänomen zu tun haben.

Und wir finden das Phänomen der Zwillingsspuren, aber um die Verwirrung komplett zu machen, nur an einigen wenigen Abschnitten der Spur.

Diese Erscheinung findet sich auch auf dem sehr beeindruckenden Kalksteinplateau Castellar de Meca in Spanien.
An einigen Abschnitten finden sich solche Zwillingsspuren, dort ebenfalls nur partiell.

Auf diesem Plateau erscheinen die Felsengeleise, was sonst kaum zu beobachten ist, wie planvoll angelegt. Kein scheinbar sinnloses Durcheinander wie an den meisten anderen Cart-Ruts-Arealen, sondern es gibt eine klare Streckenführung auch mit Ausweichstellen für den Gegenverkehr, so könnte man es jedenfalls vermuten.

Cart-Ruts
Ausweichstelle für Gegenverkehr ?

Aber dafür erwartet uns an zwei Stellen eine bisher nicht gesehene Merkwürdigkeit.
Eine nicht mehr benutze Spur wird von einer etwas tiefer im Gelände liegenden und offensichtlich später angelegten Spur radikal  abgeschnitten. Der Grad der Erosion ist für meinen Blick bei beiden Spuren gleich.

Nicht so an der zweiten Stelle !  Die ältere Spur liegt hier auf einem deutlich höheren Niveau, an der höchsten Stelle ca. 1,3 m über der „jüngeren“ Spur, von der sie durch glatte Wände abgeschnitten worden ist.
Und die obenliegende, ältere Spur weist sehr kräftige Erosionsspuren auf, so als wäre sie hunderttausende oder gar millionen von Jahren älter !

Cart-Ruts
Eine ältere, stark erodierte Spur

Zum Abschluss dieses Kapitels möchte ich noch eine Wagenspur in der Nähe von Nörten-Hardenberg in Deutschland beschreiben.
Dort, ca. 900 m nördlich des Rodetals, am Hang eines Berges, liegt eine im Sandstein teilweise freigelegte Spur, die den Eindruck erweckt, als wäre hier nie ein Wagen entlang gerumpelt.
Glatte Seitenwände und eine Spur mit Millimeter feinen Linien lassen uns nicht an Wege denken, in der vielleicht jahrelang eisenbeschlagene Räder ihre Spuren hinterlassen haben.
Mal abgesehen davon, dass das freigelegte Teilstück relativ steil und sehr glatt war, so dass ein gefahrloses Begehen gar nicht möglich war.

Die hier genannten Eigenschaften sind bei weitem nicht vollständig; bei den auf dieser Webseite genannten jeweiligen Fundstellen und im nächsten Kapitel finden sich weitere ergänzende Angaben.

4. Erklärungsversuche zur Entstehung der Spuren

Wie schrieb schon David H. Trump : „Definitive Lösungen scheinen so weit weg wie eh und je“.

Und genau so sieht es heute immer noch aus, sonst würde es vermutlich auch diese Webseite nicht geben.

Wie schon unter Punkt 3 an einigen Beispielen gezeigt, weisen die Felsengeleise vielfältige und zum Teil sehr skurrile Eigenschaften auf, die den gesunden Menschenverstand arg strapazieren. Nichts scheint irgendeinen Sinn zu ergeben. Die vielen Mosaiksteinchen ergeben kein Bild.

Die Spuren, deren Entstehung ich mir noch am leichtesten vorstellen kann, befinden sich in Westanatolien und in Kappadokien. In diesen Regionen gibt es riesige Ablagerungen aus Tuff, in denen unglaublich viele Fahrzeugspuren zu finden sind.
Dort sieht es definitiv nicht nach sorgfältiger und durchdachter Verkehrswegeplanung aus, sondern eher so, als hätten Offroadenthusiasten mit ihren Jeeps oder mit anderen, sehr geländegängigen Fahrzeugen die ehemals lockeren Tuffablagerungen durchpflügt.

Ich behaupte nicht, daß diese Spuren auf diese Weise entstanden sind, aber dieser Gedanke drängt sich unweigerlich auf, wenn man diese Spuren vor Ort sieht !

Die so entstandenen Spuren verfestigten sich allmählich, wurden von Ablagerungen bedeckt und im Laufe der Zeit teilweise wieder freigelegt. Ein Teil ist stark erodiert, kaum noch vorhanden, andere Areale sind noch von Sedimenten bedeckt, aber ein großer Teil ist gut zu sehen und wunderbar erhalten.
Das Problem bei diesem möglichen Szenario ist aber das Alter der Tuffablagerungen.
Die ehemaligen Vulkane in diesen Regionen waren vor vielen Millionen Jahren aktiv !

Diese Datierung zur Entstehen der dortigen Spuren ist natürlich starker Tobak, aber wir können uns die Fakten nicht aussuchen, das Erscheinungsbild dieser anatolischen Spuren ist wie es ist !

Am Rande sei noch bemerkt, dass ca. 200 millionen Jahre alte versteinerte Saurierspuren im Kalkstein, wie hier in den Cevennen in Südfrankreich , nicht schlechter erhalten sind als viele Cart-Ruts.

Oft habe ich sogar Fragmente von Cart-Ruts im Kalkstein gesehen, die von der Erosion schon fast beseitigt waren.

Auf Malta, bei Ta‘ San Gakbu (aber auch an anderen Stellen), führt eine Spur über eine Klippe ins Leere, es folgt ein ca. 70 m tiefes und ca. 700 m breites Tal.
Um welche Zeiträume geht es hier ? Oder bei Clapham Junction (Malta) ist eine Spur von einer eingestürzten Höhlendecke unterbrochen worden.

Auch gibt auf Malta Spuren, die im Meer verschwinden.

Und auch hier in Spanien, auf einem Sandsteinplateau bei Caspe, verschwinden die Spuren wie auf Malta im Nichts.

Im Oktober 2018 führte mich eine weitere Reise nach Sizilien.
Und auch hier in Agrigent gibt es einige Stellen, an denen die Spuren über den Klippenrand im Nichts verschwinden.

Cart-Ruts
Spur am Tempio Di Giunone

Und hier noch einige andere Orte, an denen die Erosion tiefer gelegene Abschnitte der Spuren gänzlich beseitigt hat.

Cart-Ruts bei Alcañiz
Auf einer Sandsteinklippe bei Alcañiz (Spanien) sind Spuren zu finden, deren weiterer Verlauf im Norden und Süden von der Erosion beseitigt worden ist. Hier der südliche Rand.
Die vielen Klippen könnten Reste eines Plateaus sein.
Cart-Ruts bei Alcañiz
Hier der nördliche Rand der Sandsteinklippe. Die Spuren führen ins Leere.
Cart-Ruts bei Alicante
Eine von mehreren Stellen bei Alicante (Spanien) , an denen von einem Sandsteinplateauplateau Spuren im Nichts verschwinden. Die Erosion hat ganze Arbeit geleistet.
Carrt-Ruts bei Alicante
Das Gleiche ist hier zu beobachten. Um was für Zeiträume mag es hier gehen ?
Cart-Ruts bei Le Perthus
Auch hier, an der Site archéologique du Panissars bei Le Perthus in den französischen Pyrenäen, verschwindet die Spur im Nichts. Das Gestein ist vermutlich Gneis.
Erosion am Castellar deMeca
Ebenso hier am Castellar de Meca ist der weitere Verlauf dieser Spur vermutlich durch Erosion verschwunden

Es kommt der Gedanke auf, dass Koltypin nicht falsch liegt.

In Syracus, wo Archimedes seine letzte Ruhe gefunden haben soll, sind die Kalksteinfelsen samt Cart-Ruts durch das Anlegen von Nekropolen abgeschnitten worden.

Cart-Ruts Syracus
Hier soll sich vermutlich das Grab von Archimedes befinden
Car-Ruts Syrakus
Abgeschnittene Spuren durch das Anlegen der Nekropolen

Ich vermute einmal, daß sich schon Archimedes Gedanken zu den Spuren gemacht hat. Ob sich in seinen Schriften Hinwiese darauf finden ?

Ich wünsche mir nicht das eine oder das andere Szenario, ich bin einfach nur neugierig und hätte kein Problem damit, wenn überlieferte Vorstellungen sich als unwahr herausstellen sollten.
Ich hätte aber auch kein Problem damit, wenn es wirklich Ochsenkarren aus der Zeit der Römer waren.
Dies nämlich erklärt uns die Archäologie ; die Spuren würden von  schwer beladenen Ochsenkarren stammen, die Steine transportierten.

Und an dieser Stelle kommen wir wieder zu den Eigenschaften der Wagenspuren, und zwar zu einem Merkmal, das ich schon kurz erwähnt habe.
Es fehlen schlichtweg die Trittspuren der Zugtiere !
Nirgendwo in Westanatolien habe ich dergleichen gesehen. Nicht die kleinste Andeutung von Trittspuren und das beim relativ weichem Tuff, sollte er wirklich schon bei der Entstehung der Cart-Ruts ausgehärtet gewesen sein.

Spuren sind schon zu finden, aber es sind andere. So z.B. Schleifspuren in der Mitte, als hinge etwas vom Fahrzeug herunter.

Auch finden sich links und rechts der Fahrzeugspuren nicht selten große Schleifspuren im Tuff, als hätte der Aufbau oder die Ladung des Fahrzeuges weit über die Spurbreite hinausgeragt und im noch lockeren Tuff die nicht kleinen Kratzer hinterlassen.

Und es gibt noch einen wichtigen Punkt, der gegen eine Entstehung in z.B. römischer Zeit spricht : Das Gelände dieser Tuffablagerungen ist sehr stark erodiert und zerklüftet.
Ich käme nicht auf die Idee, dort umherzufahren, jegliches Gefährt würde zu Bruch gehen.
Auch die Idee eines Archäologen, es könnten im Winter schwer beladene Schlitten gewesen sein, funktioniert in der Praxis auf gar keinen Fall.

Offroadenthusiasten im lockeren Tuff können wir uns vielleicht noch vorstellen, aber wie sieht es mit ähnlich chaotischen Wagenspuren im Kalkstein aus ?

Wieder finden wir keinerlei Anzeichen von sinnvollen Verkehrswegen (mit Ausnahme von Castellar de Meca), statt dessen gibt es viele parallele und sich gelegentlich überschneidende Spuren, eigentlich ein einziges Chaos, diesmal deutlich zu sehen z.B. auf Maltas „Rangierbahnhof“ Nr. 1, Clapham Junction, und auf Sardinien, hier auf der Kalksteinebene Su Crucifissu Mannu.

An beiden Orten finden sich auch einige Grabanlagen, die nach dem Erscheinen der Spuren angelegt wurden, denn sie unterbrechen oft deren Verlauf.

Die großen Fragen sind nun die, wie und wann die Cart-Ruts im Kalkstein entstanden sind.
Bis auf ganz wenige Ausnahmen, so z.B. bei Ta‘ San Gakbu auf Malta, finden wir wieder keinerlei Hinweise auf Spuren von Zugtieren.
Selbst hier würde ich nicht denken, daß sie von Zugtieren stammen. Oft können wir beobachten, dass sich die Felsengeleise ganz geschmeidig durch das Kalkgestein ziehen. Besonders deutlich sichtbar wird dies am Castellar de Meca in Spanien.
Keinerlei Anzeichen von Meißelspuren sind zu finden, auch ist hier nicht wirklich vorstellbar, dass diese Spuren durch allmähliches Befahren durch z.B. eisenbeschlagene Räder entstanden sind.
Selbst der Aufweg aus der Ebene auf das Felsplateau zeigt sehr deutlich (besonders in der engen Kurve,
die ca. 3 m tief ist !) viele horizontale Schleifspuren, die aber eigentlich überall zu finden sind, wo die Cart-Ruts durch Einschnitte im Gestein führen.
Sieht man diese geschmeidigen Schleifspuren kommt sofort der Gedanke auf, daß das Gestein während der Entstehung der Spuren noch nicht ausgehärtet war.

Aber natürlich lehrt die Geologie, dass bei der Entstehung der Kalkablagerungen im Meer diese auch gleich aushärten.
Es besteht also ein momentan nicht lösbarer Widerspruch zwischen dem offensichtlichem Erscheinungsbild und dem, was geologisch möglich ist.

Das Phänomen der weichen und geschmeidigen Partien im Gestein kennen wir auch aus Reiseberichten aus Ägypten und Peru.
Gigantische, unregelmäßige Steinblöcke wurden so perfekt zusammengesetzt, dass kein Haar zwischen die Blöcke passt. Aber auch im Granitsteinbruch in Assuan (Ägypten) sind solche geschmeidigen Bearbeitungsspuren im verbliebenen Fels zu finden.
Als Beispiel möge ein Stück nicht zu kalter Butter dienen, in dem man mit einem Messer elegante Spuren hinterlassen kann.

Wie es aber im Kalkstein oder gar im Granit zu solchen Spuren kommen kann, ist ein großes Rätsel.

Und da dieses Rätselraten keine greifbaren Ergebnisse liefert, kommen wir der Vollständigkeit halber nicht an einer Theorie vorbei, die auch viele andere unerklärliche Phänomene mit dem Besuch von kosmischen Reisenden
zu erklären versucht.
Wie ich finde, eine interessante These, denn es finden sich tatsächlich in vielen alten Schriften (z.B. in der Bibel und dem Mahabharata) Überlieferungen über fliegende und auch landende Fluggeräte.
Aber warum sollten der interstellaren Raumfahrt fähige Wesen solche merkwürdigen Spuren hinterlassen ?
Das ergibt für mich irgendwie keinen Sinn, andererseits kommen einem beim Betrachten der unglaublichen geschmeidigen Partien bei vielen Spuren oft der Gedanke an eine Technologie auf, die es irgendwie ermöglichen könnte, das Gestein zu „erweichen“ und leicht zu verformen bzw. zu bearbeiten.
Das mag sich sehr suspekt anhören und manch einer wird mit dem Kopf schütteln, aber bitte besuchen sie Castellar de Meca und schildern sie mir dann ihre Eindrücke und Erfahrungen.
Wie auch immer, die ET- Hypothese halte ich für wenig wahrscheinlich, aber ich denke, 100%ig ausschließen kann man sie nicht.
Das Universum ist groß und anzunehmen, wir wären die Einzigen, die denken und schaffen können, wäre sehr überheblich.
Diese Idee von den kosmischen Wanderern geistert, soweit mir bekannt ist, seit den 1960iger Jahren durch die Welt (siehe auch Einführungstext zu Malta).

Auch in der DDR macht man sich zum Thema Ausserirdische Besucher Gedanken

5. Wie geht es weiter ?

Die für mich wichtigste Frage ist die nach dem Alter der Spuren !

Erst wenn hier verlässliche, von mehreren und unabhängig voneinander arbeitenden Geologen und Geomorphologen erbrachte Ergebnisse vorliegen, sollten diese den Archäologen präsentiert werden.

Ohne konkrete gemorphologische und geophysikalische Resultate sind alle Aussagen zum Thema nur reine Spekulation !

Nach dem momentanen Stand der Dinge sieht es so aus, dass es, außer den Forschungsergebnissen von Dr. Alexander Koltypin, keine Angaben zum Alter der Spuren gibt.
Er ist meines Wissens nach der einzige Forscher, der sich intensiv mit dieser Thematik befasst und seine Gedanken, Ergebnisse und Theorien veröffentlicht.

Allerdings wird nach Informationen von Hans-Dieter Gau auch auf den Azoren zum Thema geforscht, und es ist zu hoffen, dass bald konkrete Ergebnisse vorliegen.

Für mich ist es ein großes Rätsel, dass fast 50 Jahre nach der ersten bemannten Mondlandung zum Thema Cart-Ruts noch keine sicheren und anerkannten Forschungsergebnisse vorliegen !

Natürlich fällt es schwer, sollte Koltypins These stimmen, sich vorzustellen, dass die Spuren Millionen von Jahren alt sind.
Es besteht die Gefahr und es wird sicherlich auch so kommen, dass seine Aussagen von der konservativen Wissenschaft ohne Überprüfung beiseite gefegt werden, da sie das ganze Geschichtsgebäude zum Einsturz bringen würden.

Betrachten wir aber das Wort Wissenschaft, so sollte uns klar sein, dass wir neuen Ideen offen und unvoreingenommen gegenüberstehen müssen, denn sonst ist es unmöglich, neues Wissen zu schaffen !

Die Spuren mit all ihren skurrilen Eigenschaften existieren real und die Fakten verschwinden nur durch Verdrängen oder Ausblenden nicht !
Leider ist es heutzutage weit verbreitet, daß wichtige Details und Fakten der Allgemeinheit vorenthalten werden, ohne die aber die wahren Zusammenhänge nicht erkannt werden können.

Dogmen bringen niemanden weiter und Neugier ist eine wunderbare und zutiefst menschliche Eigenschaft.
Unsere Gedanken sollten nicht durch Fesseln behindert werden, auch wenn sie hin und wieder einmal abenteuerliche Züge annehmen sollten ! Ohne Phantasie und Kreativität gibt es keine neuen Erkenntnisse und keinen Fortschritt.

Und es sollte auch keine Schande sein, wenn sich einmal eine These als falsch erweisen sollte, die Geschichte der Wissenschaft kennt dafür genügend Beispiele.

Und, um noch einmal darauf zurückzukommen, dieses Projekt hier soll interessierte Reisende ermuntern, sich am Sammeln von Daten (Ortsbeschreibung, event. Koordinaten, Art des Gesteins, Maße und Fotos) zu beteiligen.

Sehr wahrscheinlich wird es mir nicht möglich sein, alle Cart-Ruts-Areale auf diesem Planeten selbst zu besuchen, deshalb wäre es für dieses Projekt ein großer Gewinn, wenn sich möglichst viele interessierte und neugierige Menschen daran beteiligen.

 

Quellen :

01. Die unerklärten Felsengleise der Alten Welt,
Eine Anregung zu weiterer Forschung, Uwe Topper, Berlin · 2008 http://www.ilya.it/chrono/pages/gleisedt.htm

02. Römische Strassen in Bosnien und der Hercigovina
Philipp Ballif, Wien 1893

03. Cart-Ruts and their impact on the Maltese landscape
David H. Trump, Malta 2008

04. http://www.stefan-ramseier.ch/roemisch/gastautor/brunner/haupttext.htm

05. The Significance Of Cart-Ruts In Ancient Landscapes
Malta, 2005

06. http://earthbeforeflood.com
persöhnlicher Briefverkehr mit A. Koltypin

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